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Die ewige Wiederkehr des Gleichen

19. April 2017, 10:19am

Veröffentlicht von Wolfgang Hamm


Vor wenigen Tagen blätterte ich in ein Werk des, so ist es dem Klappentext zu entnehmen "führenden Zeitmanagement Experten Europas". In den Kapiteln, in denen es im engeren Sinne um Arbeitsorganisation/Zeitmanagement ging, sah im mich unvermittelt in das Jahr 1992 versetzt. Ein Blick auf das Erscheinungsjahr belehrte mich eines Besseren, es ist 2015 erschienen. Nun gut, Kontinuität kann ja auch seine Vorteile haben, Bewährtes sollte bewahrt werden, neuen Generationen zur Verfügung stehen - nur scheint es seither keinerlei Entwicklung gegeben zu haben. Nimmt sich der Autor, nehmen sich Trainer in diesem Sektor von Erkenntniszuwachs aus, lernen sie nichts - oder ist etwa schon alles ge- oder erfunden?

Die ewige Wiederkehr des Gleichen, so es die Arbeitsorganisation betrifft, ist auf den ersten Blick frappierend. Wachsen, dies ist die eine Möglichkeit, so viele Neukunden nach, das dies nötig ist. Oder wird einfach zu wenig bis nichts von dem umgesetzt, was in wohlfeilen Büchern, Seminaren und Workshops in diesem Bereich verbreitet wird? Erinnern uns an eine Aussage eines (des?) vermeintlich führenden Experten in diesem Bereich. Er stellte schon vor 20 Jahren fest, das maximal 10 Prozent seiner Seminarteilnehmer in nennenswertem Umfang seine Empfehlung umsetzen würden - und er damit zufrieden sei.

Bescheidenheit soll eine Zier sein, heißt es. Sie scheint hier aber völlig unangemessen - es sei denn, ich wünsche mir eine verlässliche Menge von Dauerkunden, die es immer wieder in ähnlicher Weise zu "bespaßen" gilt, dann macht das ewig Gleiche unter der Überschrift "Wasch mich, aber mach mich nicht nass!" durchaus Sinn.


Wirkliche Veränderung findet nicht statt, alle sind zufrieden: Der Auftraggeber hat seinen Mitarbeitern einen Weg aus dem Arbeits-/Teitstreß möglich gemacht, die Teilnehmer haben festgestellt das alles nicht so richtig funktioniert und dem Trainer attestiert, wie gut er gearbeitet hat - dieser freut sich auf die Wiederholung im nächsten Jahr, wo dann sicherlich alles klappen wird.

Eine bleierne Durchschnittlichkeit und eine mangelnde Bereitschaft zu wirklichen Veränderungen der Protagonisten ist unverkennbar. Durch dem vermeintlichen Zeitgeist geschuldete Begrifflichkeiten wird eine Aktualität heraufbeschworen, die den Rezipienten auffordert, möglichst schnell zu handeln, aktiv zu werden und so endlich das vermeintliche Zeitparadies zu erreichen. Hier sei an das seit geraumer Zeit grassierende, unselige Work-Life-Balance genannt, welches sich noch im letzten Stadium des Umwandlungsprozess zur Life-Balance befindet. Und schon geht es weiter: Nun werden wir schon mit dem nächsten Schritt belästigt: "Das neue Ziel heißt Work-Life-Integration!" Vielen Dank, es geht weiter, die neue Möhre vor der Nase des Esels ist gefunden.

Meine Phantasie reicht nicht aus, mir auszumalen, welches der dann folgende Begriff, welches unbedingt nötige Ziel, welches nunmehr wirklich wirksame Training es sein wird. Eins ist aber völlig sicher: All das wird geschehen. Leider.

Natürlich verkenne ich keinesfalls die gute Arbeit, die unermüdlichen Anstrengungen und guten Publikationen einiger innovativer Kollegen. Beispielhaft sei hier, als durchaus nachdrückliche Empfehlung, @stilist mit seinem
http://toolblog.de/ genannt.

Kritisieren kann Jeder, wo aber ist Dein Beitrag, was machst Du anders? So könnte die Frage an mich lauten. Nun, in der nächsten Zeit werde ich den Zusammenhang von Metaprogrammen und Arbeitsorganisation beschreiben, der bislang nur wenig Beachtung gefunden hat. Der gleichwohl sehr hilfreiche (Denk-/Handlungs-)Strukturen bietet, die in der täglichen Praxis unmittelbar fruchtbar gemacht werden können - so wir Veränderungen wirklich wollen.

 

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