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Leben, Arbeit und Urlaub 2

8. Januar 2017, 23:43pm

Veröffentlicht von Wolfgang Hamm

Mir der Frage „Welche Rahmenbedingungen benötigen Sie, um gerne zu arbeiten?“ endet der erste Teil. „Die gibt es nicht!“ werden einige Menschen sicherlich, auch und gerade unter dem Eindruck der davor stehenden Zeilen, antworten. Dies ist verständlich wenn wir Arbeit und Erwerbsarbeit gleichsetzen.

Nehmen wir das immer wieder beliebte und ebenso häufig missbrauchte Beispiel Fließbandarbeit auf: „Wie soll denn einer am Fließband seine positiven Rahmenbedingungen bestimmen können?“ wird da gefragt und damit generalisierend auf ein hilflos ausgeliefert sein von allen arbeitenden Menschen geschlossen. „Geht nicht, das Arbeitsleben lässt sich nicht positiv gestalten, wir haben keinen hinreichenden Einfluss, Arbeit ist eine Last!“ lautet dann auch die Antwort. Nun stellt sich „lediglich“ noch die Aufgabe, wie die als notwendige Last, die als unangenehme Begleiterscheinung des Lebens erlebte Arbeit so kurz wie nötig und so gewinnbringend wie möglich gestaltet werden kann.

Dieser Argumentation liegen mehr oder weniger bewusst die Vorstellungen von Arbeit in einer industriellen geprägten Gesellschaft zu Grunde. Wir haben, so scheint es, die Last der Arbeit so lange zu tragen und „irgendwie“ erträglich zu gestalten bis wir Reichtum und Erfolg erlangen – oder eben auch nicht. Diese Vorstellung hatten sicherlich auch viele Menschen bei der Lektüre des geschilderten Experimentes und sind damit in eine Sackgasse geraten. Die Qualität der Arbeit steht nicht zur Disposition, stattdessen fokussiert sich alles, im Zweifelsall unterstützt von „Erfolgsberatern und Motivationscoaches“, ausschließlich auf das Ziel: Erfolg und Reichtum, die Lizenz zum Nichtstun.

Aufschlussreich in dem Zusammenhang mag sein, das ein Großteil der Lottogewinner, glaubt man entsprechenden Erhebungen, sich ein Jahr nach dem Gewinn wieder auf einem fast identischen Niveau der Zufriedenheit wiederfindet wie vor dem Lottogewinn. Erfolg, Reichtum und Nichtstun sind, dies lässt sich vorsichtig daraus schließen, nicht alleine sinnstiftend, bildet keine hinreichende Bedingung für ein als erfüllt wahrgenommenes, gelebtes Leben.

So schaut letztlich alles nach einer ausweglosen Situation aus, hätten und nähmen wir uns nicht die Freiheit Arbeit und Beschäftigung in einem anderen Bedeutungsrahmen zu betrachten:

Nun ja, zugegeben, die Aussage mag an ein anderes, sehr bekanntes Zitat erinnern, gleichwohl ist sie kaum zu bestreiten: Wir können nicht nichtstun, selbst Müßiggang ist Beschäftigung! Beschäftigung, wie und mit was auch immer, ist ein Grundbedürfnis unseren Lebens. Wenn wir diese Prämisse akzeptieren gilt es somit, dorthin zu kommen, wo wir schon lange Zeit sein könnten. Es gilt Beschäftigung von Zwang zum Überleben abzukoppeln, den Vertretern des „Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen!“ ein positives Menschenbild entgegen zu setzen: Wir arbeiten nicht um zu leben und leben nicht um zu arbeiten, wir wollen Beschäftigung, wollen Dinge sinnvoll tun, sinnvolle Dinge tun – und die Sicherheit des „Essens haben“ ist die Voraussetzung dafür.

Nun lässt sich das beschriebene Experiment anders lesen, bekommt Arbeit seine wirkliche Bedeutung. Die Menschen arbeiteten nicht im klassisch industriellen Sinn, sondern sie suchten und fanden Beschäftigung, fanden eine für sie sinnvolle Beschäftigung. Als Voraussetzung waren sie, wir erinnern uns, „mit allen Annehmlichkeiten des täglichen Lebens versorgt“, sie hatten ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Die Absicherung unserer Grundbedürfnisse, ein bedingungsloses Grundeinkommen, lässt sich daraus generalisieren, ist die nötige Voraussetzung für ein erfülltes Leben, nicht das Endergebnis. Sie bildet die Grundlage, auf der dann die Rahmenbedingungen festzulegen sind. Dann kann der Kompass ausgerichtet werden, Richtung angeben, wie Leben, Arbeit und Urlaub gestaltet – wie das erfüllte Leben tagtäglich gelebt wird.

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