Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
wahrnehmen - bewerten - Lösungen finden - handeln

Leben, Arbeit und Urlaub 1

8. Januar 2017, 22:44pm

Veröffentlicht von Wolfgang Hamm

Palmen, Hängematte, weißer Sandstrand, angenehm warmer Wind. Vier, fünf, gar acht Monate und irgendwann das ganze Jahr: Urlaub. Nun, einen Monat Arbeit soll es dann doch noch sein, sonst ist man ja nicht mehr auf dem Laufenden.

Ein Vorstellung, die Sie jederzeit erreichen können, zur Realität werden lassen können. Wenn, dies sind die Bedingungen, Sie an Ihr Ziel glauben, sich keine Zweifel erlauben. Tägliche positive Affirmationen sind sehr hilfreich, Motivationsveranstaltungen mit Gleichgesinnten erhöhen die Chancen. Ziele können Sie selbstredend immer und vollständig erreichen, es liegt nur in und an Ihnen. Wenn Sie von Ihrem Ziel wirklich überzeugt sind, kann sich nichts mehr aufhalten. Und vergessen Sie nie: Wer beginnt, hat die Hälfte schon geschafft.

So oder ähnlich lauten die täglichen Botschaften der Motivations-, Erfolgs-, Du-kannst-alles-was-Du-willst-erreichen-Propheten, die Sie in Tweets, News- bzw. Erfolgslettern lesen, auf Veranstaltungen hören können.

Sie sind trotzdem noch hier? Liegt es nur an Ihrer individuellen Schwäche, der mangelnden Konsequenz in Ihrem Handeln? Warum nur werden die weißen Palmenstrände noch nicht wegen Überfüllung geschlossen, keine Einreiseverbote vom Schlaraffenland verhängt?

Das ganze Jahr Urlaub als weit verbreitete, mehr oder weniger bewusste Vision des positiven, erfüllten Lebens hat möglicherweise nicht die überragende Anziehungskraft, wie es auf den ersten Blick scheint.

Vor einigen Jahren wurde ein Experiment durchgeführt: Die Teilnehmer waren mit allem Notwendigen des des täglichen Lebens versorgt. Sie  durften frei entscheiden, wie sie den Tag verbringen wollten. Müßiggang, Arbeit, Sport – alles war möglich, hatte keinerlei Auswirkungen auf die Versorgung. Die Vermutung lag nahe, alle würden sich dem Müßiggang, vielleicht dem Sport hingeben – sicherlich aber nicht freiwillig arbeiten. Weit gefehlt: Nach relativer kurzer Zeit des Nichtstuns entwickelten die Teilnehmer einen individuellen Rhythmus von Be- und Entlastung, von Freizeit und Arbeit.

Offenbar, dies legt das Experiment nahe, ist Arbeit ein menschliches Grundbedürfnis, sorgt gleichberechtigt neben der Freizeit für ein erfülltes Leben. Selbst wenn es möglich wäre, würden also die meisten Menschen ihr Leben nicht ausschließlich mit Cocktailgläsern in der Hand auf Trauminseln verbringen. Eine sinnvolle Vision eines erfüllten Lebens begreift Arbeit als wichtigen Teil der Selbstverwirklichung.

Die zu Beginn skizzierte Vision hingegen ist die Kehrseite eines als unbefriedigend gelebten (Arbeits-)lebens und kontraproduktiv für das alltägliche Leben. Eine positiver Sicht ist förderlich, diese Art des positiven Denkens aber schadet und verhindert eher. Sinn und Aufgabe  ist nicht der Daueraufenthalt in der Hängematte, sondern Ausgewogenheit.

Sicher, ein zu einhundert Prozent erfülltes Leben ist ein nicht erreichbares Ziel, der Weg dorthin bedeutet aber mehr Erfüllung als der unerfüllbare Wunsch nach der Trauminsel. Nicht “Wie kommen Sie zur Trauminsel?“ sondern „Wie gestalten Sie Ihr alltägliches Leben? Wie soll Ihre Freizeit sein? Welches Verhältnis von Arbeit und Freizeit ist für Sie ausgewogen und wie können Sie es herbeiführen? Welche Rahmenbedingungen benötigen Sie, um gerne zu arbeiten?“  sollten die Fragen lauten. 

Die Antworten ebnen den Weg zu einem erfüllten Leben.

Kommentiere diesen Post