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Schnell, langsam oder zum richtigen Zeitpunkt?

8. Januar 2017, 22:26pm

Veröffentlicht von Wolfgang Hamm

Allzuweit hat sich die Beschleunigungsproblematik, so scheint es, noch nicht herumgesprochen. Es gelte, so heißt es immer wieder, schnell zu sein, schneller zu sein - der Schnelle frisst den Langsamen. Und es gäbe in Zukunft auch nur noch zwei Positionen - schnell oder tot.

Obwohl der Elchtest, eindrucksvoller Endpunkt für das Scheitern der grenzenlosen Beschleunigung, nunmehr fast ein Jahrzehnt zurückliegt,  muss sich der frühe Vogel und der Wurm weiter missbrauchen lassen, gilt die Anleitung "Schneller ist besser" noch immer als Patentrezept.

Fast reflexartig kam nach den diversen Anzeichen des Scheiterns auch der scheinbar erfolgreiche Gegenentwurf, blieb aber im Dagegen stecken: Wenn du es eilig hast, gehe langsam. Innehalten, sich besinnen und dann die altbekannten Mittel des herkömmlichen Zeitmanagements einsetzen. Eisenhower, Pareto, ...  leider waren und sind die Ergebnisse auch nicht besser.

Der Weg zu erfüllten Leben ist anders angelegt:

Schon vor einigen Jahren hat KH Geißler auf den fast pseudoreligiösen Gestus, die einer Anbetung nahekommenden Verklärung der Beschleunigung hingewiesen. In einem sehr eindrücklichen Gleichnis hat er vor geraumer Zeit anlässlich eines gemeinsamen Seminars eine sinnvollere Betrachtungsweise skizziert. (Dies ist, wenn ich mich recht erinnere, auch in einem seiner Bücher beschrieben.) Hier sei es sinngemäß wiedergegeben:

Die Version der Beschleunigungsvertreter lautet demnach:

Jeden Tag wacht ein Löwe auf und er weiß, er muss schneller sein als der langsamste Springbock, um satt zu werden, um zu überleben. Und jeden Tag wacht ein Springbock auf und er weiß, er muß schneller sein als der Löwe um zu überleben.

Die Version der Vertreter des rechten Augenblicks lautet demnach:

Jeden Tag wacht ein Löwe auf und er weiß, er muss wissen wann und wo die Springböcke sein werden, welchen Tagesrhythmus, welche Vorlieben sie haben um satt zu werden und zu überleben. Und jeden Tag wacht ein Springbock auf und er weiß, er muss den Tagesrhythmus, die Strategien und die Orte der Löwen kennen um zu überleben.

Wie sollten uns daher um den rechten Zeitpunkt, die Wahrnehmung des eigenen Rhythmus, die angemessene Zeitspanne und eine effiziente Arbeitsorganisation Gedanken machen - stupide Beschleunigung und reflexartige Entschleunigung hilft nicht weiter.

 

 

 

 

 

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